info@imkereibedarfshop.de

Select your language

Anmelden / Registrieren
Anmelden / Registrieren
Meine Wunschliste

Deine Wunschliste ist leer.

Vergleichen

Es wurden keine Elemente zum Vergleich hinzugefügt.

Warenkorb

Ihr Warenkorb ist derzeit leer.

Eines der am häufigsten verwendeten Neonikotinoid-Insektizide führt nachweislich zu einer dramatischen Verringerung der Flugfähigkeiten von Honigbienen. Das von der Europäischen Union verabschiedete Moratorium für die drei am häufigsten eingesetzten Neonikotinoid-Insektizide ermöglichte Wissenschaftlern, die Auswirkungen dieser überwiegend verwendeten Pflanzenschutzmittel auf die Gesundheit von bestäubenden Hautflüglern genauer zu untersuchen. Neonikotinoide galten lange Zeit als sicher für diese Insekten, doch jüngste Forschungsergebnisse zeigen, dass behandelte Pflanzen diese Stoffe im Pollen und Nektar in Mengen abgeben, die zwar nicht unmittelbar tödlich für Bestäuber sind, jedoch deutliche negative Auswirkungen auf deren Nervensystem haben. Häufigstes Forschungsobjekt solcher Studien sind Hummeln und die Honigbiene.

In der Studie von James Nieh und seinen Kollegen wurden zunächst Arbeiterinnen mit einer relativ hohen Thiamethoxam-Dosis in einer Zuckerwasserlösung gefüttert. Danach setzten die Forscher die Bienen in einen „Flugsimulator“. Bei diesem Versuch wird die Biene an einem rotierenden Arm fixiert, wodurch ihre Flugleistung unter kontrollierten Bedingungen präzise untersucht werden kann. Die Bienen reagierten auf die einmalige Dosis an Thiamethoxam zunächst mit erhöhter Aktivität. Sie konnten 75 % länger fliegen und legten dabei eine entsprechend längere Strecke zurück, ohne jedoch ihre Fluggeschwindigkeit zu verringern.

Im Labor-Flugsimulator ist allerdings nicht direkt zu erkennen, wie eine solch „übererregte" Biene unter natürlichen Bedingungen fliegen würde. Frühere Studien deuten darauf hin, dass Bienen und andere bestäubende Hautflügler nach der Aufnahme von Neonikotinoiden oft ihre Orientierung verlieren, verwirrt umherfliegen und das Risiko steigt, dass sie ihren Weg zurück in den Stock nicht mehr finden. Bei „aufgeputschten“ Bienen infolge von Thiamethoxam ist also kein erhöhter Nutzen zu erwarten – eher im Gegenteil.

Ganz anders verhielten sich jene Bienen, die dauerhaft Thiamethoxam ausgesetzt waren. Bereits nach zwei Tagen ergab sich bei chronischem Kontakt mit diesem Neonikotinoid eine Verringerung der Flugzeit um mehr als die Hälfte im „Simulator“. Die zurückgelegte Distanz schrumpfte im ähnlichen Umfang. Außerdem verringerte sich ihre Fluggeschwindigkeit um rund 7 %. Chronische Belastungen durch Neonikotinoide in der Natur sind durchaus realistisch. Überlebt eine Biene die erste Dosis, könnte sie anschließend weiterhin Neonikotinoide kontinuierlich mit Pollen und Nektar aufnehmen. Sogar Laborversuche weisen darauf hin, dass Bienen Zuckerquellen mit enthaltenen Neonikotinoiden gegenüber nicht belasteten Quellen sogar den Vorzug geben könnten. Noch ist unklar, wie Bienen Neonikotinoide erkennen, da deren Geschmackssinn offenbar nicht auf diese Stoffe anspricht.

Die Studie von James Nieh und seinem Team leistet einen weiteren wichtigen Beitrag zur Aufklärung der Risiken neonikotinoidhaltiger Insektizide. Wie zahlreiche andere dieser wissenschaftlichen Studien erfolgten die Versuche jedoch unter Laborbedingungen. Dies wirft die Frage auf, inwieweit die Fütterung der Bienen mit Thiamethoxam-Zuckerlösungen tatsächlich den Bedingungen in der Natur entspricht, wo Honigbienen neben belasteten landwirtschaftlichen Kulturen gewöhnlich auch wildwachsende Pflanzen aufsuchen. Ebenso ungeklärt ist es, wie gut das Flugverhalten in einem Labor-Flugsimulator auf die tatsächlichen Bedingungen in der freien Natur übertragbar ist. Zweifellos braucht es hierzu weitere Studien und neue Erkenntnisse.

In Verbindung mit diesen Fragen gibt es auch eine aktuelle interessante Untersuchung aus den USA, wo Neonikotinoide nach wie vor ohne Einschränkungen eingesetzt werden dürfen. Trotz des umfangreichen Einsatzes konnten Forscher seltsamerweise oft keine messbaren Neonikotinoid-Konzentrationen in Honigbienen finden. Überraschend häufig hingegen waren Fungizide nachweisbar, deren Einfluss auf die Bienengesundheit bisher wesentlich weniger Beachtung findet als der der Neonikotinoide.

Ebenso entscheidend bleibt die Frage, womit Landwirte diese durch das Moratorium verbotenen Neonikotinoid-Präparate ersetzen werden und wie gewissenhaft ein solches Verbot überhaupt eingehalten wird. Das Moratorium enthält nämlich besondere Ausnahme-Regelungen, die den Einsatz der Neonikotinoide in der Praxis in „Notfallsituationen“ erlauben. Diese Ausnahmemöglichkeit beobachten Forscher derzeit mit großer Sorge, insbesondere in Rumänien, Finnland, Estland und Bulgarien, da dort davon ungewöhnlich umfangreicher Gebrauch gemacht wird.

Quelle: Zeitschrift „Včelařství“
Prof. Ing. Jaroslav Petr

....