Der Liebig-Ameisensäureverdunster ist ein bewährtes Gerät zur wirksamen Reduzierung des Varroamilbenbefalls (Varroa destructor) in Bienenvölkern mithilfe von Ameisensäure in der Konzentration 60 % oder 85 %. Das Gerät ist insbesondere mit den Präparaten Formivar 60 % und Formivar 85 % kompatibel, die zu den am häufigsten eingesetzten Mitteln in der europäischen Imkerei gehören. Beschreibung der Baugruppe des Liebig-Verdunsters. 1. Grundplatte – Mit Reservoir und Fixierdornen zur sicheren Aufnahme der Flasche. 2. Perforiertes Filterpapier (Dochtpapier) – Ermöglicht eine genaue Dosierung und eine gleichmäßige Verteilung der Säure.
Aufbau des Liebig-Verdunsters
- 1. Grundplatte – Mit Reservoir und Fixierdornen zur sicheren Aufnahme der Flasche.
- 2. Perforiertes Filterpapier (Dochtpapier) – Ermöglicht eine genaue Dosierung und eine gleichmäßige Verteilung der Säure.
- 3. Dosiereinsatz – Mit kalibrierter Öffnung für einen konstanten Durchfluss der Lösung.
- 4. Niedrige Flasche – Mit Skala zur einfachen Dosierung und Füllstandskontrolle.
Funktionsprinzip
Die Ameisensäure tropft über den Dosiereinsatz in das flache Reservoir der Grundplatte. Von dort wird sie durch Kapillarkräfte in das Dochtpapier eingesaugt und über die gesamte Fläche verteilt. Die Verdunstungsleistung wird über die Größe des verwendeten Dochtpapiers gesteuert. Entlang der Perforation kann das Papier exakt gefaltet oder abgerissen werden. Sobald die Ameisensäure in der Flasche aufgebraucht ist, endet der Verdunstungsprozess – erkennbar an einem trockenen Dochtpapier.
Ermittlung der benötigten Dochtpapiergröße
- Auf jedem Dochtpapier sind die Bereiche farblich markiert – grün für 60 % und rot für 85 % Ameisensäure.
- Orientieren Sie sich an der Tabelle auf dem Papier entsprechend Ihrem Beutentyp und der zu erwartenden Tageshöchsttemperatur. Passen Sie die empfohlene Säuremenge und Papiergröße je nach Wetterlage und Volksstärke an.
- Bei zu schneller Verdunstung die Papiergröße verkleinern, bei zu geringer Verdunstung ein zweites identisches Papier zusätzlich auflegen.
Geeigneter Zeitpunkt und Anwendungsbedingungen
Der Verdunster ist für die Anwendung nach dem Honigschleudern vorgesehen – der erste Durchgang erfolgt Ende Juli/Anfang August (3–7 Tage), der zweite nach dem Auffüttern im September (6–14 Tage). Achten Sie darauf, dass der Beutenboden mindestens 3 Tage vor der Anwendung geschlossen ist, damit sich die Bienen an die veränderten Lüftungsbedingungen gewöhnen können. Während der Einwirkzeit der Ameisensäure nicht füttern, um eine Kontamination des Futters und ein erhöhtes Räuberrisiko zu vermeiden.
Anwendung des Liebig-Verdunsters Schritt für Schritt
- Flasche vorbereiten: Den Dosiereinsatz entfernen, die Flasche mit der benötigten Menge Ameisensäure entsprechend der empfohlenen Konzentration und der Skala befüllen. Den Dosiereinsatz wieder einsetzen. Für den Transport den kindersicheren Verschluss verwenden und bei Umgebungstemperatur lagern.
- Dochtpapier vorbereiten: Je nach Beutentyp und erwarteter Temperatur die passende Papiergröße auswählen und bei Bedarf entlang der Perforation verkleinern.
- In der Beute platzieren: Die Grundplatte mit dem passenden Papier waagerecht über der Mitte des Brutraums auflegen. Darauf achten, dass alles stabil steht, damit nichts überläuft.
- Flasche einsetzen: Die Flasche mit der Lösung kopfüber (ohne Zusammendrücken) auf die Fixierdornen stecken. Die Säure beginnt kontrolliert in das Reservoir zu tropfen und wird vom Filterpapier aufgenommen.
- Beute schließen und kontrollieren: Den Durchfluss durch kurzes Kippen der Flasche prüfen. Anschließend die Beute schließen und das Flugloch offen lassen (bei Ablegern halb geschlossen lassen, um Räuberei zu vermeiden).
- Laufende Kontrolle: Erste Kontrolle nach 24 Stunden durchführen und die Papiergröße bei Bedarf anpassen. Bei höherer Verdunstung Papier verkleinern, bei geringer Verdunstung ein zweites Papier zusätzlich verwenden. Eine weitere Kontrolle wird nach 3 Tagen empfohlen. Sobald die Flasche leer und das Papier trocken ist, den Verdunster aus der Beute entfernen.
Orientierung zur richtigen Dosierung
| Ameisensäure | Beutentyp | Max. Tageshöchsttemperatur | Empfohlenes Volumen (1. Durchgang / 2. Durchgang) | Dauer (Tage) |
|---|---|---|---|---|
| 60 % | Zander, DNM, Langstroth | 25–30 °C | 100 ml / 150 ml | 7 / 10 |
| 85 % | Zander, DNM, Langstroth | 25–30 °C | 50 ml / 100 ml | 7 / 10 |
| 60 % | Dadant, 2xWL, 2xDNM | 15–20 °C | 200 ml / 200 ml | 7 / 10 |
| 85 % | Dadant, 2xWL, 2xDNM | 15–20 °C | 100 ml / 200 ml | 7 / 10 |
Empfohlene ergänzende Hinweise
- Beim Umgang mit Ameisensäure immer Schutzbrille, säurebeständige Handschuhe und langärmelige Kleidung tragen.
- Den Verdunster während der Anwendung waagerecht halten und nicht in die Spülmaschine geben (so bleibt die Form der Grundplatte erhalten).
- Bei hohen Temperaturen die Anwendung möglichst morgens beginnen.
- Die Anwendung nicht bei Gewitterlage oder unmittelbar vor Regen starten, um Stress für die Bienen zu minimieren.
- Vor und während der Anwendung nicht füttern.
- Vor jeder Anwendung stets neue Filter-/Dochtpapiere verwenden.
- Für starke Völker in einer intensiven Trachtperiode ausreichend Raum und gute Belüftung sicherstellen, z. B. durch Öffnen des Bodens oder Vergrößern des Fluglochs.
- Sicherstellen, dass die erste Anwendung nach dem Honigschleudern und die zweite nach dem Auffüttern erfolgt.
- Aufgrund der besonderen Empfindlichkeit junger Brut und gerade schlüpfender Bienen kann es vorübergehend zu einer Legepause oder begrenzten Brutverlusten kommen, die jedoch die Gesamtentwicklung des Volkes nicht beeinträchtigen.
Wartung des Liebig-Verdunsters
- Propolis entfernen
- Die Grundplatte mit Apisoda-Lösung in lauwarmem Wasser von Wachs reinigen (Temperatur 40 °C nicht überschreiten!).
- Kein Teil in die Spülmaschine geben – Kunststoffteile könnten sich verformen.
Sicherheit und weitere Warnhinweise
- Beim Arbeiten mit Ameisensäure konsequent auf Eigenschutz achten, Schutzausrüstung verwenden und benutztes Material außerhalb der Reichweite von Kindern und Tieren aufbewahren.
- Nicht mit gekühlter Lösung arbeiten – beim Erwärmen könnte sie unkontrolliert auslaufen und zu Bienenverlusten führen.
- Der Dispenser muss in der Beute stets stabil und waagerecht stehen, um ein unbeabsichtigtes Auslaufen zu verhindern.
Zusammenfassung und bewährte Grundsätze
Die Anwendung des Liebig-Verdunsters zählt zu den wirksamsten physikalisch-chemischen Verfahren, um die Schädlichkeit der Varroamilbe (Varroa destructor) im Bienenvolk zu reduzieren – ohne Rückstände im Honig (sofern nach dem Schleudern angewendet). Sorgfältige Vorbereitung, exakte Dosierung, geduldige Kontrolle der Verdunstungsrate und die Anpassung an die individuellen Bedingungen des Volkes sowie den Saisonzeitpunkt sind die Grundpfeiler einer sicheren und erfolgreichen Anwendung.
Bei korrekter Vorgehensweise und verantwortungsvoller Betriebsweise bleibt der Einsatz des Liebig-Verdunsters bienenschonend und umweltverträglich und trägt dazu bei, starke und gesunde Völker für die nächste Saison zu erhalten.


























































































































































