https://www.jahan.cz/images/1/clanky-jahan-duben-3.jpg

Wie züchtet man starke Bienenvölker mit hochwertigen Königinnen?

Die Entscheidung für starke Völker ist aus imkerlicher Sicht bereits seit vielen Jahrzehnten bejaht. Diese Völker haben unbestreitbare Vorteile: Sie stecken Temperaturschwankungen beim Frühjahrsaufbau besser weg, sind widerstandsfähiger gegen Krankheiten wie Nosemose und können Trachtschwankungen besser ausnutzen. Zusätzlich können starke Völker Populationseinbrüche etwa durch Verkehr oder Pestizide sowie gesteigerten Feinddruck rasch kompensieren. Aus Erfahrung wissen wir, dass Völker mit genügend Ersatzflugbienen diese Verluste optimal verkraften.

Einwände gegen starke Völker kommen meist von den praktischen Grenzen historischer Behausungen wie Baumhöhlen oder bestimmten Beutentypen, deren Volumen nicht flexibel auf den wachsenden Bedarf reguliert werden kann.

Wichtige Faktoren für die Volksstärke sind: eine leistungsfähige, gesunde Königin, ein vitales Volk, entsprechende Pflege je nach Beutentyp und ein reiches Trachtangebot in der Umgebung.

Warum ist eine hochwertige Königin so wichtig?

Die Königin beeinflusst maßgeblich die Entwicklung und Produktivität eines Bienenvolks. Die Anzahl der gelegten Eier hängt von der Genetik, vom Alter, Zustand, der körperlichen Fitness und von der Qualität des Brutnestumfelds ab.

Für eine optimale Eiablage braucht es: ausreichend Platz im Brutraum, gute Temperaturregulierung durch die Bienen, geeignete Wabengröße, regelmäßigen Pollen- und Nektar-Eintrag und ausreichend Raum außerhalb des Brutnestes für die Vorräte.

Erbliche Eigenschaften der Königin

Erfahrene Imker erkennen leicht Unterschiede zwischen gleichaltrigen Königinnen: Während die eine besonders leistungsstark ist, reicht bei einer anderen die Eiablage kaum für das Volk aus. Diese Fähigkeit wird maßgeblich von der Genetik beeinflusst und lässt sich gezielt durch Auswahl der Zuchtlinien verbessern. Die Vererbarkeit ist hoch; endgültige Einschätzungen zur Qualität können aber erst nach einer vollen Saison anhand der Nachkommen gezogen werden.

Das Alter der Königin beeinflusst die Volksstärke

Im Allgemeinen gelten Königinnen bis zum Alter von zwei Jahren als besonders leistungsfähig. Im dritten Jahr kommt es oft zu unregelmäßiger Eiablage: Der Frühjahrsaufbau läuft noch gut, doch im Verlauf des Sommers lässt die Leistung deutlich nach – dann sollte ein Wechsel erwogen werden. Es gibt auch Ausnahmen mit vitalen Königinnen im vierten oder fünften Lebensjahr, doch das sind seltene Besonderheiten.

Die Gesundheit der Königin – Eckpfeiler eines vitalen Volks

Das Wohlergehen und die Fitness der Königin bestimmen maßgeblich die Leistung des Volks. Deshalb sollte man bei Routinekontrollen nicht nur auf die Eiablage, sondern auch auf den körperlichen Zustand der Königin achten.

Woran erkennt man eine gesunde Königin?

Typische Merkmale für eine gesunde Königin sind einfach zu erkennen:

  • Vollständig entwickelte, gesunde und bewegliche Beine.

  • Symmetrische, unbeschädigte und korrekt gefaltete Flügel.

  • Der Hinterleib ist wohlgeformt ohne Deformationen.

Königinnen mit beschädigten Flügeln oder Beinen wurden in der Regel von Arbeiterinnen angegriffen – häufig bei Schlechtwetter, wenn das Volk die Königin zum Hochzeitsflug drängt. Solch eine verletzte Königin ist oft dauerhaft flugunfähig und sollte rechtzeitig ersetzt werden.

Mechanische Schäden können auch bei unvorsichtiger Wabenhandhabung entstehen. Solche Königinnen legen meist weiter, bringen jedoch keine zufriedenstellende Leistung.

Nosemose – ein häufiges Gesundheitsproblem der Königin

Zu den häufigsten Erkrankungen der Königin gehört die Nosemose (verursacht durch mikroskopisch kleine Parasiten der Gattung Nosema). Am häufigsten trifft man sie in schwach besetzten Begattungskästchen an, wenn die Temperaturstabilität nicht gewährleistet ist. In den ersten Lebensstunden ernährt sich die neue Königin selbst und ist damit besonders infektionsgefährdet. Erst mit Einsetzen der Fütterung durch Arbeiterinnen sinkt das Risiko erheblich.

Infizierte Königinnen absolvieren oft noch ihren Hochzeitsflug und beginnen mit der Eiablage, versterben aber bald darauf an Erschöpfung und Unterernährung, da ihre geschädigte Darmschleimhaut die Nährstoffaufnahme verhindert. Das Volk legt dann sogenannte Nachschaffungszellen an.

Wie kann man Nosemose bei Königinnen verhindern?

  • Verwendet größere Begattungseinheiten mit zahlreichen jungen, gesunden Bienen zur optimalen Temperaturregelung.

  • Desinfiziert die Mini-Plus vor der Saison gründlich, zum Beispiel durch Wärmebehandlung.

  • Nutzt bevorzugt helle Waben – dunkle Waben sammeln häufiger Krankheitserreger.

  • Regelmäßige Erneuerung der Pflegerbienen im Begattungskästchen.

  • Sorgt für die thermische Isolierung der Begattungseinheiten, sowohl gegen Kälte als auch Überhitzung im Sommer.

Unsere über 20-jährige Praxiserfahrung bestätigt, dass vorbeugende Wärmebehandlung im Frühjahr dauerhafte Erfolge bringt.

Körperliche Kondition der Königin – ist eine größere Königin immer besser?

Viele Imker beurteilen die Königin vor allem nach ihrer Körpergröße – insbesondere dem Hinterleib. Zwar ist die legende Königin meist auffällig größer, doch für die langfristige Einschätzung zählt vor allem die stabile Brustgröße. Die reine Körpergröße gilt zwar als Indikator guter Larvennahrung, garantiert aber weder gesteigerte Fruchtbarkeit noch gesünderen Nachwuchs. Sie ist nur ein Faktor unter mehreren.

Der Einfluss der Ernährung auf Größe und Qualität der Königin

Bemerkenswert sind die Unterschiede in der Körpergröße der Königinnen je nach Zuchtsituation: In starken Trachtzeiten entwickeln sich manchmal etwas kleinere Königinnen, da sich das Volk mehr auf Nektar- als auf Brutpflege konzentriert.

Höchste Nährstoffversorgung genießen Königinnen, die während Schwarm- oder stiller Umweiselungsstimmung nachgezogen werden – dann stehen ab dem ersten Tag reichlich Gelée Royale zur Verfügung, was ihre Fitness positiv beeinflusst. Dagegen sind Nachschaffungköniginnen aus älteren Larven oft kleiner und weniger leistungsfähig.

Für die optimale Entwicklung zählt daher neben der Genetik v.a. eine hochwertige und zeitnahe Ernährung im Larvenstadium.

Brutpause der Königin – Bedeutung für die Volksgesundheit

Ein besonderes Merkmal der Carnica-Biene (Apis mellifera carnica) ist die Fähigkeit der Köigin, die Brut im Herbst einzustellen. Diese auch als „Brutpause“ bekannte Periode beginnt gegen Ende Oktober und reicht bis zur Wintersonnenwende. Sie ist entscheidend, um das Bienenvolk gesund zu halten – v.a. für eine effektive Varroa-Bekämpfung.

Findet sich im Bienenvolk zu diesem Zeitpunkt keine verdeckelte Brut, ist jede Behandlung gegen die Varroamilbe (Varroa destructor) am wirksamsten. Zusätzlich sorgt diese natürliche Eigenart für deutlich geringeren Winterfutterverbrauch, da das Volk während der Pause weniger aktiv ist.

Die Brutpause ist typisch für die Carnica – z.B. Apis mellifera ligustica und Buckfast zeigen dieses Verhalten nicht. Deshalb bereiten sie hierzulande bei der Überwinterung oft größere Schwierigkeiten.

Spannend zu diskutieren ist die genetische Stabilität und Variabilität der Brutpause – insbesondere wie sie durch späte Tracht verschoben werden kann, was z.B. durch blühende Blühstreifen im Herbst häufiger vorkommt.

Praxisbeobachtungen aus 2023

Im Jahr 2023 habe ich deutliche Unterschiede beim Einsetzen der Brutpause je nach Höhenlage festgestellt:

  • 715 m ü. NN – Am 22. Oktober waren die Völker bereits brutfrei.

  • 510 m ü. NN – Zu diesem Zeitpunkt fanden sich nur noch wenige verdeckelte Zellen (2–20 Zellen).

  • 210 m ü. NN – Dank günstiger Bedingungen gab es während des ganzen Oktobers Pollen- und Nektareinträge. Bei der Durchsicht am 1. November waren noch größere Brutflächen und Eier vorhanden, am 20. November war die Bruttätigkeit bereits stark eingeschränkt. Von 16 Beobachtungsvölkern waren 8 voll brutfrei, 7 hatten nur noch vereinzelte Brutreste, nur eines wies eine zusammenhängende Brutfläche auf (nach Herbstumweiselung).

Erfahrungen von Imkern im Ausland

Um die Zuverlässigkeit dieses Carnica-Merkmals zu überprüfen, habe ich mich an Imker-Kollegen im Ausland gewandt. Alle bestätigten die typische Herbst-Brutpause der Carnica-Cimala-Linie:

  • Belgien (100 m ü. NN) – P. Vandesteene

  • Südostfrankreich (450 m ü. NN) – D. Blampey

  • Dolomiten/Italien (425 m ü. NN) – M. Todesco

  • Bulgarien (20 m ü. NN) – G. Dikov

  • Lettland (52 m ü. NN) – A. Smilga

Daraus folgt: Das genetische Potenzial für die Herbst-Brutpause ist bei der Carnica fest verankert. Eine späte Tracht kann sie zwar nach hinten verschieben, aber selten komplett verhindern.

Bei der Beurteilung und Zuchtwahl von Königinnen ist es wichtig, alle Eigenschaften ganzheitlich zu betrachten. Eine einseitige Selektion auf nur ein Merkmal kann die VitaIität, Leistungsfähigkeit und Gesundheit des Volks beeinträchtigen.

nach dem Bienenmagazin, Ing. Pavel Cimala