Jeder Imker spürt heutzutage nicht nur die Freude der Imkerei als Hobby, sondern auch einen wachsenden wirtschaftlichen Druck auf die Effizienz seiner Imkereitätigkeiten. Einerseits steigen ständig die Preise für Rohstoffe und Betriebsmittel (Zucker, Benzin, Investitionen, Gerätschaften und Imkereimaterial). Andererseits eröffnet der technologische Fortschritt neue Möglichkeiten, den Ertrag der Bienenvölker gezielt zu optimieren. Besonders junge, aber auch erfahrene Imker beachten zunehmend diese wirtschaftlichen Aspekte und bemühen sich immer öfter, moderne Verfahren und Technologien einzusetzen.
Die automatische Gewichtserfassung der Bienenvölker hat sich in den letzten Jahren als besonders effektive Methode etabliert, sowohl Einzelvölker als auch ganze Gruppen von Bienenvölkern zu beobachten. Prinzipiell handelt es sich dabei um den Übergang von gelegentlichen, manuell erfolgenden Messungen mit mechanischen Waagen zu einer kontinuierlichen automatischen Datenerfassung (Gleichgewichtserfassung), die regelmäßig erfolgt und dessen Messwerte automatisch gespeichert werden. Dabei erhält man nicht nur die Veränderungen des Gesamtgewichtes des Bienenstocks, sondern auch direkt die tatsächlich vorhandenen Vorräte ("Nettogewicht"), einschließlich der Bienenmasse. Anhand spezialisierter Grafiken können so Vorräte der einzelnen Stöcke deutlich abgebildet und miteinander verglichen werden. Zusätzlich wird oft auch die Umgebungstemperatur gemessen und aufgezeichnet. Im Vergleich zu den gelegentlichen manuellen Messungen bietet das automatische Wiegen deutlich mehr Informationen (wie tägliche oder wöchentliche Erträge inklusive Verdunstungsverluste) und ermöglicht eine exakte Übersicht über unvorhergesehene Ereignisse (wie Schwärme, Räubereien oder Völkerverluste).
Was bedeutet nun die kontinuierliche Gewichtserfassung hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit und inwiefern beeinflusst sie Betriebsweisen und Gewohnheiten in der Imkerei? Die Vorteile dieser automatischen Messmethode, die teilweise bereits im Magazin "Včelařství" Nr. 10/2010 und 4/2011 dargestellt wurden, lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Für einzelne Bienenvölker auf einer Waage erhält man direkt Informationen über:
- Sichere Futtermenge während der Spätjahresfütterung (Gewichtskurve steigt nach Futtergaben, sofortiges Erkennen von Räubereien oder zusätzlichem Honigertrag)
- Futtermengen, die aus später Honigernte nach der Einwinterung stammen (zum Beispiel Melezitose-Honig, der überprüft oder ausgeschleudert werden sollte)
- Zustand im Winter und gleichmäßigen Futterverbrauch erkennen (auch unvorhergesehene Ereignisse, wie Mäuseeintritt oder sonstige Störungen, erkennen und beseitigen)
- Frühjahrszustand, vor allem den kritischen Vorrätestatus vor dem ersten Nektarfluss (Völkerverluste lassen sich so rechtzeitig erkennen und vermeiden)
- Genaue Beobachtung der Trachtperioden und der Trachtpausen ohne Eingriffe bzw. Störung an Völkern (durch genaue Bestimmung der richtigen Zeitpunkte für die Honigernte steigt der Gesamtertrag)
- Zuverlässige Zeitplanung für Honigentnahme während der Trachtperioden (Kontrolle der verfügbaren Futtermenge ermöglicht Minimierung der Anzahl von Schleuderungen)
- Ermittlung der tatsächlich verfügbaren Honigmenge je Volk auf Grundlage der Vorratskontrollen (vorab abschätzbar, welche Mengen sinnvollerweise entnommen werden können)
Durch zwei oder mehr Waagen auf einem Standort ergibt sich außerdem:
- Vergleich der Gewichtsentwicklung einzelner Bienenvölker zur Selektion der besten Honiglieferanten und Vorauswahl von geeignetem Zuchtmaterial
- Optimale Völkerselektion mit gezielter Eigenschaftsauswertung für züchterische Zwecke insbesondere bei der Züchtung von Königinnen
- Vergleichsbasis auch für andere Bienenvölker am Standort, die nicht direkt gewogen werden
Bei Einsatz mehrerer Waagen auf verschiedenen Standorten ist möglich:
- Vergleichende Beobachtung der Trachtsituationen und Vorratshaltungen an verschiedenen Standorten. Darauf aufbauend optimale Einteilung der Arbeitsabläufe und Honigernte-Termine.
- Mehrjährige Datenvergleiche zur Standortbewertung und ggf. Verbesserung der Standorte durch gezielte Begrünung oder Verlegung
Die insbesondere grafische Auswertung der Daten macht aus automatisierten Gewichtsüberwachungen ein modernes und hocheffektives Werkzeug für das sensible und ertragreiche Führen der Bienenvölker bei minimaler Fehlerquote.
Während der vierjährigen Praxistests (2008-2011), deren Ergebnisse in Form konkreter Grafiken auf der Webseite www.ulovavaha.cz verfügbar sind, konnten sehr gute Honigerträge erzielt und viele Vorteile bestätigt werden. Diese Ergebnisse sind momentan allerdings Einzelfälle und keine allgemeingültige Bewertung der Gesamtrentabilität des automatischen Wiegens. Trotzdem lassen sich aus gewonnenen Daten zumindest exemplarisch Aussagen bezüglich der Wirtschaftlichkeit machen.
Anschaffungskosten automatischer Stockwaagen:
Da die Einsatzbedingungen variieren können, empfiehlt sich eine modulare Waage, die nach Bedarf erweitert werden kann. Eine solche, flexible sowie wirtschaftlich günstige Variante stellt z.B. die tschechische Waage „EMMA" dar, die im Vergleich zu importierten Alternativen preislich sehr vorteilhaft ist:
- Kurze Entfernungen (manuelles Abrufen oder Kabel bis 500 m): etwa 10.000 - 11.000 CZK
- Fernübertragung per GSM-Modul: etwa 15.000 -17.000 CZK
- Internationale Alternative flexibles GSM-Modell: etwa 35.000 – 40.000 CZK
Rentabilität und wirtschaftliche Vorteile:
Allein die exakte Festlegung optimaler Erntezeitpunkte auf Grundlage der erzeugten Gewichtsdiagramme bringt einen durchschnittlichen Mehrertrag von etwa 10 kg Honig pro Volk und Saison. Bei einem Standort mit 10 Völkern entspricht das bei heutigen Honigpreisen bereits etwa dem Anschaffungswert einer einfachen Waage ohne Fernübertragung. Dies bedeutet, dass sich die Investition oft bereits nach nur einer Saison rentiert! Bei Geräten mit Fernübertragung amortisiert sich die Investition spätestens nach ca. zwei Betriebsjahren.
Daher ist die automatische Gewichtserfassung nicht nur praktisch, langlebig und komfortabel, sondern kann auch wirtschaftlich uneingeschränkt empfohlen werden.
Nach einem Artikel aus der Zeitschrift „Včelařství“ von Ing. Josef Karásek und Ing. Pavel Karásek, übersetzt aus dem Tschechischen.


























































































































































