Im Juni erreichen Bienenvölker ihre volle Stärke. Die Bruträume sind auf dem Höhepunkt ihrer Auslastung, und idealerweise konnten wir bereits die erste Honigernte schleudern. Nun tragen die Bienen bereits erneut Sammelgut ein, hauptsächlich Himbeerhonig, Lindenhonig und Waldhonig (Honigtau).
Allen diesen Trachten ist gemeinsam, dass sie stark vom Wetter abhängig und deshalb oft schwer vorhersehbar sind. Persönlich freue ich mich jedes Jahr besonders auf den Himbeerhonig: hell in der Farbe und von köstlichem Geschmack. Allerdings benötigt diese Tracht warmes Wetter und Temperaturen um 30 °C während des Tages. Bei solchen Bedingungen füllen die Bienen die Honigräume innerhalb weniger Tage. Leider führt die gezielte Rodung junger Bäume auf Kahlschlägen zur Verringerung des Himbeerbestands, sodass für die Bienen meist nur noch Randstreifen an Wäldern und Wegen verbleiben.
Geeignete Beute für optimale Trachtnutzung
Damit Bienenvölker kurzfristige Massentrachten optimal nutzen können, benötigen sie ausreichend geräumige Bienenbeuten sowohl für die Honigeinlagerung als auch für die Brutpflege. Ein durchschnittliches Volk benötigt unter unseren Bedingungen etwa 270 dm² doppelseitig verdeckelte Wabenfläche als Brutraum. Davon rechnen wir etwa zwei Randwaben ab, die die Königin normalerweise nicht mit Brut belegt. Somit verbleiben etwa 230 dm², die bei einer Brutauslastung von etwa 80 % vollkommen ausreichend sind. Ideal für das Volk ist ein großer, einziger Brutraum. Der Honigraum dagegen sollte besser aus mehreren kleinen Zargen bestehen, sodass wir eine volle Honigzarge mit unreifem Honig durch Leerzargen ergänzen (untersetzen) können. Dies ermöglicht eine effiziente Honigverarbeitung – oben im Raum kann unreifer Honig trocknen, während der neu eintreffende Nektar in den unteren Raum gelagert wird. Halbzargen eignen sich hierfür ideal, da sie auch leichter zu handhaben sind, was jeder Imker sehr schätzt.
Honigschleuderung
Honig schleudern wir grundsätzlich nur im vollständig reifen Zustand, also mit weniger als 20 % Wassergehalt. Laut der tschechischen Qualitätsnorm für „Český med“ (Tschechischer Honig) beträgt der Grenzwert sogar nur 18 %. Der Wassergehalt ist essenziell für die Lagerfähigkeit des Honigs, da ab 21 % das Risiko der Gärung besteht.
Praktische Imker-Regeln zur Einschätzung des Reifegrades:
1. Während einer Tracht niemals Honig entnehmen. Selbst wenn die Waben größtenteils verdeckelt sind, füllen die Flugbienen oft noch flüssigen Nektar in offene Zellen nach. Beim leichten Klopfen gegen eine reife Honigwabe darf kein Honig spritzen.
2. Allgemein gilt verdeckelter Honig meist als ausreichend trocken. Doch in der Praxis muss man vorsichtig sein: insbesondere bei starken, plötzlichen Trachten findet sich mitunter selbst verdeckelter Honig noch mit über 20 % Wasser.
3. Auch die Beutengestaltung beeinflusst deutlich den Wassergehalt des Honigs. Besonders in kaltem oder feuchtem Wetter zeigt sich dies bei schlecht isolierten Beuten, in denen Kondenswasser an den kühlen Wänden kondensiert und unverdeckelter Honig vor allem an Randwaben vermehrt Wasser zieht.
4. Auch ein vollständig offen-gitterförmiger Boden, der in den letzten 20 Jahren modern wurde, kann Probleme bereiten. Ohne verschließbare Lüftung kann feuchte Luft von unten ins Volk eindringen. Deutlich wurde dies besonders 2010 während der Rapsblüte, als nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull täglich feuchtkaltes Wetter herrschte. Freistehende Völker in offenen Bienenständen hatten große Probleme, die Luftfeuchte loszuwerden. Mobilbehausungen oder überdachte Bienenhäuser hingegen litten weniger unter diesen Problemen, da hier die Luft allgemein trockener blieb.
Falls trotz aller Vorsorge ein zu feuchter Honig anfällt, lässt sich dieser entweder zur Herstellung von Met (Honigwein) einsetzen oder gezielt trocknen. Die nachträgliche Honigtrocknung mit Spezialgeräten (Entfeuchtern) widerspricht jedoch grundsätzlich einer schonenden und naturnahen Bearbeitung des Honigs. Dennoch führen viele Imker diese Maßnahme in der Praxis durch.
Vor dem Schleudervorgang werden die Honigwaben entdeckelt. Am häufigsten kommen Entdeckelungsgabeln zum Einsatz. Für größere Mengen lohnt die Anschaffung eines Entdeckelungsmessers oder spezieller Entdeckelungsmaschinen. Allerdings lässt sich das scharfe Entdeckelungsmesser nur bei hellen, frisch gebauten Jungfernwaben („Jungfernwachs“) einsetzen.
Der richtige Umgang mit geschleudertem Honig
Idealerweise fließt der frisch geschleuderte Honig cremig-zäh in gefalteten „Honigbändern“ aus der Honigschleuder heraus. Zunächst filtern wir ihn durch ein grobes Sieb, um größere Fremdkörper zu entfernen. Ein darauffolgendes feines Sieb entfernt kleinere Wachsteilchen. Danach ruht der Honig mindestens 24 Stunden, sodass an der Oberfläche Schaum entsteht – bestehend aus feinsten Wachsteilchen, Luftbläschen und Pollen. Dieser sollte vor der Abfüllung abgeschöpft werden. Viele Imker genießen diesen honigreichen Schaum privat, Kunden reagieren darauf jedoch häufig misstrauisch. Da unsere Kunden erstklassige Qualität von uns erwarten, entfernen wir den Schaum sorgfältig, um diese Erwartungen stets zu erfüllen. Die Vermarktung billiger Honigmischungen aus Supermärkten schadet dem Qualitätsbild von Honig generell. Es ist daher an uns, den Ruf von regionalem, hochwertigem Honig als unverfälschtes Naturprodukt zu wahren und zu pflegen.
Frei nach der tschechischen Imkerzeitschrift „Včelařství“ von Ing. Pavel Cimala, Carnica Cimala Zuchtbetrieb


























































































































































