Rationalisierung des Wanderbetriebes und der Pflege von Bienenvölkern
In dieser Folge unserer Imkereiserie geht es um das gezielte Rationalisieren beim Wandern der Völker und deren effektive Betreuung im ganzen Jahr. Hauptziel ist das Senken der Zahl der notwendigen Eingriffe – und so der Zeitaufwand je Volk. Auch Winterfütterung ist ein Bereich, in dem sich Effizienz und Zeit sparen lassen.
Wanderbetrieb – Wann und warum ist das nötig?
An Bienenständen mit wenig oder schwankender Tracht ist ein Umsetzen der Völker wichtig, um optimale und stabile Honigerträge (meist zwischen 30 und 50 kg pro Volk) zu erzielen. Je nach Trachtbedingungen erfolgt das Wandern einmalig oder mehrfach im Jahr. Entscheidungen zur Art und zum Ablauf des Wanderbetriebs hängen im Wesentlichen von den wirtschaftlichen Kosten für Transporttechnik sowie vom Zeitbedarf der Handhabung ab. Weitere Details und einen umfassenden Überblick finden Sie in der Publikation „Unterwegs mit Bienenvölkern“ des Bienenforschungsinstituts Dol aus dem Jahr 2016, die Vor- und Nachteile verschiedener Wanderformen erläutert.
Hauptmethoden des Wanderbetriebs:
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Transport kleinerer Völkerzahlen mit PKW und Einachsanhänger (9–16 Magazine)
Für größere Entfernungen und viele Bienenvölker ist diese Methode wenig effizient. Die Magazine werden hier direkt auf Paletten oder speziellen Plattformpaletten fixiert, das Bewegen einzelner Beuten erleichtert ein extra für die Imkerei konstruierter Transportwagen, entwickelt zum Beispiel von Imker Jindra aus Roudnice nad Labem. Diese Methode eignet sich besonders für kleinere und regionale Imkereien. Alternativ können Plattformpaletten (18–20 Beuten) auf gebremsten Anhängern per kräftigem PKW oder Geländewagen transportiert werden, was auch für mittlere Betriebe passend ist.
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Massentransport von Palettensystemen mit LKW und Gabelstapler
Für große Entfernungen und viele Völker ist der Transport auf Paletten mit LKW und separatem Gabelstapler – der auf einem eigenen Anhänger transportiert wird – am effizientesten. So gelingt das verlustfreie und schnelle Manipulieren auch großer Völkerzahlen.
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Traditionelle Wanderwagen (Bienenwagen)
Klassische Bienenwagen werden heute immer weniger genutzt, da ihr Transport problematisch und zeitaufwendig ist, besonders auf öffentlichen Straßen und beim Schleppen mit Traktoren. Ihre Funktion übernehmen zunehmend moderne mobile Bienenhäuser, die sich leichter auf größeren Anhängern oder LKW verladen und transportieren lassen. Solche mobilen Module können fertig erworben oder nach individuellen Wünschen gebaut werden.
Auffüttern für den Winter – Zuckerlösung oder Flüssigfutter?
Während heute fertige Flüssigfutter für Bienen verbreitet sind, ist aus wirtschaftlicher und rationaler Sicht Standard-Rübenzucker meist die beste Wahl. Vergleicht man die Kosten je kg Trockensubstanz sowie das Gesundheitsrisiko durch Rückstände, kommt der einfache Rübenzucker weiterhin am besten weg. Bei manchen fertigen Futtermitteln besteht zudem ein erhöhtes Risiko von Rückständen im Honig der Folgesaison.
Die technische Zubereitung der Zuckerlösung ist mit einer einfachen Schmutzwasserpumpe schnell erledigt – in einer Stunde lassen sich hunderte Liter mischen. Die Verwendung von Rübenzucker hat sich – mit durchweg guten Erfahrungen – fast seit einem Jahrhundert bewährt. Neue Futteralternativen (z. B. Stärkehhydrolysat) werden unter Experten noch kontrovers diskutiert.
Effiziente Eingriffe und Kontrollen im Jahreslauf
Für Wirtschaftlichkeit und Erfolg der Imkerei ist entscheidend, wie viel Zeit ein Volk pro Jahr beansprucht. Ziel ist, stets mit möglichst wenig und dafür gezielten Eingriffen ein Höchstmaß an Volksgesundheit und Ertrag zu gewährleisten.
Hier einige Tipps und Empfehlungen für eine rationelle Betreuung:
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Brutraum frühzeitig vorbereiten (ab Juni)
Der Brutraum sollte ausreichend Platz für eine intensive Eiablage bieten. Überflüssige oder störende Rahmen – etwa nicht ausgebaute Mittelwände oder alte Waben – rechtzeitig entnehmen. -
Genügend Platz für Futter und Pollenreserven
Die Auffütterung sollte möglichst im Juli oder August erfolgen. Bedenken, dass die Vorräte zu früh aufgebraucht werden, sind zumeist unbegründet – sie verbleiben in der Regel bis zum Winter im Stock. -
Optimale Bedingungen in der Winterruhe sichern
In der Winterphase gilt es, neben der Varroabehandlung für gute Belüftung und möglichst wenig Störung der Völker zu sorgen, damit die Futterreserven effizient genutzt werden können. -
Krankheitskontrolle mittels Wintersitzkontrolle („Gemüll“)
Die regelmäßige Analyse des Winter-Gemülls dient v. a. der Früherkennung von Varroa-Befall und warnt außerdem rechtzeitig vor anderen Problemen im Volk. -
Gründliche Frühjahrsdurchsicht
Die Frühjahrs-Durchsicht sollte umfassend erfolgen. Nur starke und gesunde Völker sollten am Stand verbleiben, schwächere (gesunde) Einheiten werden mit anderen vereint oder durch Ableger verstärkt. -
Förderung im Vorfrühling und Frühjahr
Ausreichend Futter, Platz für die Königin und Aufmerksamkeit auf das Entwicklungstempo sind entscheidend. Zeitgerecht erweitern und nach Bedarf frische Waben einhängen. -
Schnelle Reaktion bei starker Tracht
Bei intensiven Massentrachten (z. B. Raps) können rasch 5–8 kg Honig pro Tag eingebracht werden. Steht zu wenig Raum zur Verfügung, droht Schwarmstimmung. Die effizienteste Lösung sind vorbereitete Honigräume, idealerweise kühl gelagert und sofort einsatzbereit. -
Geplante Weiselerneuerung
Der Wechsel der Königin sollte zum passenden Zeitpunkt erfolgen – am besten dann, wenn das Volk stark und vital ist; ggf. auf Spätsommer verschieben.
Empfehlung für Imker
Diese Beitragsreihe soll eine Anregung sein, wie sich die Grundarbeit in der Imkerei rationeller gestalten lässt. Es gibt natürlich zahlreiche weitere Möglichkeiten, Arbeit zu erleichtern, Kosten zu sparen und bessere Ergebnisse zu erzielen. Nutzen Sie den Austausch mit Experten, Fachliteratur und besuchen Sie Seminare sowie Imkertagungen, um ständig auf dem neuesten Stand zu bleiben.
Aus der Zeitschrift Imkerei Dr. Ing. František Kamler




































































































































































































