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Varroamilbe, Varroaresistenz und Varroatoleranz

Die Vorstellung bienentoleranter oder varroaresistenter Bienenvölker hat für Imker aller Imkereiarten große Attraktivität. Würden solche Völker existieren, könnten viele Maßnahmen zur Behandlung und Kontrolle gegen die Varroamilbe stark reduziert oder sogar ganz eingestellt werden.

Warum ich den Ausdruck „Bienenlaus“ oder „Bienenzecke“ nicht benutze?

Normalerweise bevorzuge ich deutsche Begriffe, wann immer es möglich ist. Wenn ich aber Wörter wie "Bienenzecke" oder “Bienenlaus” lese, denke ich unwillkürlich an absurde Missverständnisse. So erschien beispielsweise einmal in einer Lokalzeitung der Begriff „Bienenzecke“, woraufhin einige Leser fälschlicherweise befürchteten, Honig könnte Krankheiten wie die Zeckenenzephalitis übertragen. Solche völlig unnötigen Missverständnisse erzeugen Verunsicherung und unter Umständen sogar negative Folgen auf den Honigkonsum. Ähnlich absurde Befürchtungen hatte beispielsweise auch eine Dame, die sich bei mir erkundigte, ob von einem Federkissen möglicherweise Vogelgrippe übertragen werden könnte. Solche Befürchtungen sind natürlich unbegründet, zeigen aber, welche unnötigen Missverständnisse falsche Bezeichnungen hervorrufen können. Deshalb vermeide ich schwammige oder irreführende Bezeichnungen wie Bienenzecke und bleibe lieber konsequent beim international anerkannten Begriff Varroamilbe.

Wir sollten daher eindeutig bei den Begriffen Varroatoleranz oder Varroaresistenz bleiben, da sie in der internationalen Imkerei allgemein verständlich sind und exakt beschreiben, worum es geht. Die Zielsetzung einer solchen Züchtung ist klar: Bienenvölker erschaffen, die dauerhaft weniger anfällig sind bzw. eine Koexistenz mit der Varroamilbe etablieren können. Doch ob diese Zuchtziele realistisch und umfassend überhaupt erreichbar sind, und zu welchem Preis, bleibt offen.

Die Varroamilbe (Varroa destructor) gelangte Ende der siebziger Jahre aus Südostasien durch Importe mit der Östlichen Honigbiene (Apis cerana) nach Europa und breitete sich seitdem stark aus. Lange wurde die Varroamilbe in Europa bis ins Jahr 2000 fälschlicherweise als Varroa jacobsoni bezeichnet. Umfassende genetische Untersuchungen zeigten aber, dass zumindest die in Europa verbreitete Varroamilbe eine separate Art bildet, die heute korrekterweise Varroa destructor genannt wird.

Bei ihrer ursprünglichen Wirtin, Apis cerana, befällt und vermehrt sich die Varroamilbe überwiegend auf Drohnenbrut. Durch gezielte hygienische Mechanismen schafft es diese asiatische Bienenart, den Befall zu regulieren. Stark infizierte Drohnenzellen verbleiben extra verschlossen und werden von den Arbeiterinnen „eingegraben“. Dazu besitzen sie eine ausgeprägte Fähigkeit des Groomings (Abwehrverhalten, Entfernen der Milben vom eigenen oder fremden Körper). Außerdem hilft das Schwärmen und Aufgeben bodenständiger Nester der asiatischen Biene, Belastungen grundsätzlich zu senken und Milbenbefall zurückzulassen.

Unsere westlichen (europäischen) Honigbienen haben diese ausreichend starken Abwehrmechanismen bisher noch nicht umfassend entwickelt. Hier wären kürzere Phasen verdeckelter Brut, ausgeprägte hygienische Reaktionen (Varroa Sensitive Hygiene – VSH) sowie eine verminderte Volksgröße mögliche Pfade einer natürlichen Selektion hin zur Varroaresistenz.

Gleichzeitig nimmt aber die Gesamtpathogenität und Virulenz der varroabedingten Krankheiten zu. Während vor einigen Jahrzehnten bis zu zehntausend Varroamilben ein Volk noch nicht zwangsweise zum Kollaps brachten, reichen mittlerweile bereits wenige tausend Milben, um komplette Völker vernichten zu können.

Für die Entwicklung echter Varroatoleranz und Varroaresistenz ist es notwendig, dass Bienenvölker zeitweise begrenzt einem gewissen Befallsdruck ausgesetzt sind, um überhaupt geeignete Selektionsmerkmale erkennen und gezielt fördern zu können.

Vor allem die sogenannte Varroa Sensitive Hygiene (VSH), eine starke hygienische Reaktion des Volks auf mit Milben infizierte Brutzellen, gilt dabei als großes Zuchtziel. Doch es ist bis heute noch nicht eindeutig geklärt, wie genau Arbeiterinnen infizierte Larven erkennen. Vermutlich spielt dabei ein bestimmter Geruch befallener Larven oder sogar der Parasit selbst eine Rolle. Wissenschaft und Züchter versuchen deshalb verstärkt, robuste Linien mit solchen ausgeprägten hygienischen Merkmalen zu fördern.

Dennoch ist zu beachten: Mit der Varroamilbe gemeinsam treten auch gefährliche Viruserkrankungen auf – vor allem Deformed Wing Virus (DWV) und weitere Virustypen, welche bei massiver Ausbreitung letztlich zum Zusammenbruch des betroffenen Bienenvolkes führen können.

Die Entwicklung einer nachhaltigen Varroatoleranz oder Varroaresistenz wirft viele Fragen auf und wird die Imkerei noch viele Jahre intensiv begleiten. Die Selektion geeigneter genetischer Linien ist anspruchsvoll und muss gezielt erfolgen, um überhaupt eine Chance auf langfristigen Erfolg zu haben.

Autor des Originalartikels: MVDr. Josef Holejšovský, Ph.D.
Entnommen und frei adaptiert aus: Zeitschrift Včelařství