Pflege der eingelagerten Waben und Wachswerke - IMKERPRAXIS

Die durch Schadinsekten an Bienenwaben verursachten Schäden sorgen regelmäßig für massive materielle und wirtschaftliche Verluste auf den Bienenständen. Der wirksame Schutz vor diesen Schädlingen beschäftigt die Imker deshalb jedes Jahr aufs Neue. Zu den wichtigsten Insektenschädlingen der Waben zählen vorrangig die Große Wachsmotte (Galleria mellonella L.), die Kleine Wachsmotte (Achroia grisella), die Pollenmotte (Vitula edmandsae) und die Mittelmeermotte (Ephestia kuehniella). Die ersten beiden Wachsmotten-Arten kennen erfahrene Imker oft unter der volkstümlichen Bezeichnung „Motten“. Während die Galleria mellonella vor allem eingelagerte Waben zerstört, findet man die Kleine Wachsmotte auch in besetzten Bienenstöcken oder in Wachsblöcken1, deren Wachs von Larven der Großen Wachsmotte gar nicht beachtet wird.

Die Wachsmotten finden sich gelegentlich auch in Bienenstöcken, insbesondere wenn die Bienen über längere Zeit nicht alle Waben besetzt halten. Der Motte gelingt es problemlos, in einen vermeintlich gut verschlossenen Lagerraum einzudringen. Ein einziges Weibchen kann innerhalb weniger Stunden Tausende Eier legen. Nach etwa einer Woche schlüpfen aus diesen Eiern kleine Larven, die sich innerhalb von drei bis vier Wochen zu Puppen entwickeln. Genau dann beginnt die Katastrophe in den gelagerten Wabenvorräten. Ausgeschleuderte Waben nach der Honigernte sollten idealerweise zunächst von den Bienen im Volk „trocken geleckt“ werden, denn auch die besten Honigschleudern entfernen nicht alle Honigreste vollständig. Diese natürliche Reinigungsmethode ist jedoch vorwiegend bei einer kleineren Zahl von Bienenvölkern praktikabel. Ohne Tracht dauern es rund 24 Stunden, bis die Waben nahezu trocken sind. Danach sind die Waben möglichst gut belüftet einzulagern und niemals zu dicht aneinander zu stapeln.

Wie schützt man Waben vor Wachsmottenbefall?

Eine effektive Methode zur Abschreckung der Wachsmotten besteht darin, die Waben an einem luftig zugigen Ort aufzubewahren, denn Luftzug mögen Wachsmotten nicht. Alternativ können Waben in übereinander gestapelten Magazinbeuten aufgestellt und so der sogenannte Kamineffekt zur Belüftung genutzt werden. Wirksam gegen Wachsmotten sind auch dichte Lagerräume oder Schränke, die verhindern, dass Wachsmottenweibchen eindringen und ihre Eier ablegen können. Allerdings ist es praktisch kaum möglich, den Raum wirklich vollständig abzudichten. Die sicherste und am häufigsten benutzte Methode sind schwefelhaltige Räucherstreifen (Schwefeldochte). Das Lager sollte regelmäßig etwa alle zehn Tage abgeschwefelt werden. Dabei ist unbedingt vorsichtig vorzugehen, damit es beim Räuchern zu keinem Brand kommt! Die Behandlung von Waben mittels Schwefel erfolgt solange, bis die Lagertemperaturen dauerhaft unter +10°C sinken.

Kühle Temperaturen während der gesamten Lagerungszeit stellen den sichersten Schutz der Waben dar, da bei solchen niedrigen Temperaturen Wachsmotten inaktiv sind. Ein kühler Lagerraum stellt zwar eine gewisse Investition dar, rentiert sich aber auf jeden Fall. Ungeeignete Lagerplätze sind dagegen beheizte Keller- oder Innenräume. Es empfiehlt sich, kontinuierlich nur jene Waben einzulagern, die im Folgejahr noch eine Verwendung finden. Bei älteren Waben (drei und mehr Jahre) entscheidet weniger das Alter, sondern vielmehr die optische Beurteilung: ideal sind hellbraune („semmelfarbene“, „gelbliche“) Waben – je mehr Bienengenerationen darin aufgewachsen sind, desto dunkler sind die Waben. Eine regelmäßige Erneuerung und Rotation der Waben stellt übrigens die beste Präventivmaßnahme gegen zahlreiche Bienenerkrankungen dar.

Biologie der Großen Wachsmotte (Galleria mellonella)

Die gravierendsten materiellen Schäden unter allen Wachsmotten richtet die Große Wachsmotte (Galleria mellonella) an, weshalb ihre Biologie hier näher beleuchtet wird. Die Methoden, welche erfolgreich gegen diese Motte angewendet werden, zeigen in der Praxis ebenfalls gute Wirkung gegen die anderen Schädlinge der Waben.

Die geografische Verbreitung größte Wachsmotten stimmt weitgehend mit den Verbreitungsgebieten der Honigbienen überein und ist vor allem auf Regionen, die keine langen Kälteperioden aufweisen, konzentriert. Deshalb treten Wachsmottenprobleme in höheren, also kühleren Gebieten nur selten oder gar nicht auf. Das erwachsene Tier richtet zwar direkt keinen Schaden an, da es verkümmerte Mundwerkzeuge besitzt und gar keine Nahrung zu sich nimmt, doch die Larven verursachen massive Zerstörungen an den Waben. Zudem sind adulte Motten und ihre Larven potenzielle Überträger schwerwiegender Krankheiten wie z.B. der Amerikanischen Faulbrut (AFB). Im befallenen Volk sind die Wachsmotten-Ausscheidungen hochkonzentriert mit Krankheitserregern dieser Bienenseuche.

Die Entwicklung der Großen Wachsmotte verläuft in drei Phasen: Ei, Larve und Puppe. Der Zyklus dauert zwischen sechs Wochen und sechs Monaten und ist vor allem von Temperatur sowie Nahrung abhängig. In einem geeigneten Versteck sicher deponierte Eier überwintern ebenso wie Larven und Puppen dieser Art. Die Weibchen legen ihre Eier dabei abseits der Wächterbienen in kleinen Spalten und Öffnungen ab, wo sie von den Arbeiterinnen nicht entfernt werden können. Die jungen Larven suchen sofort die Wabenzellen auf, bauen dort komplizierte Seiden-Tunnelsysteme und ernähren sich rasch. Das Wachstum der Larven geht stark mit steigender Temperatur und Nahrungsvorrat einher; innerhalb der ersten zehn Tage vervielfacht sich ihr Anfangsgewicht erheblich. Dabei erzeugen Larven ein metabolisches Wärmefeld, das die Temperatur in hybriden Nistnestern über die Umgebungstemperatur hinausheben kann. Die Larve bevorzugt ältere, dunklere Waben mit Verunreinigungen und viel Pollen, weil reines Wachs (wie Mittelwand oder jungfräulicher Wabenbau) für ihren vollständigen Entwicklungszyklus nicht genügt. Am Ende des Larvenstadiums umspinnt sie sich mit einem festen Kokon an festen Oberflächen wie Holzrähmchen, Kasten- oder Stockwand oder bohrt sich sogar ins Holz ein. In diesem Kokon entwickelt sich die Larve über die Puppenform bis hin zum fertigen, ausgewachsenen Schmetterling. Diese Verwandlung dauert insgesamt zwischen ein und neun Wochen.

Das ausgewachsene Insekt (Imago)

Größe und Farbe von Wachsmotten variieren stark – abhängig von der Fütterung im Larvenstadium sowie der Länge der Entwicklungsdauer. Weibchen sind größer als Männchen. Etwa vier bis zehn Tage nach dem Schlüpfen beginnt das befruchtete Weibchen Eier abzulegen. Meistens erfolgt dies zur Dämmerungszeit, wenn sie versucht, in die Bienenstöcke und Lager einzudringen. Bei starker Abwehr der Bienen legt sie ihre Eier eher in umliegenden Ritzen und Spalten des Bienenstandes ab.