Wie man starke Bienenvölker aufzieht – die Bedeutung eines gesunden Bienenvolks
Es ist schon lange bekannt, dass unser Leben – ebenso wie das Leben der Bienen und anderer Tiere – eng von der Vielzahl an Mikroorganismen abhängt. Unser Körper beherbergt etwa zwei bis drei Kilogramm dieser nützlichen Bakterien im Verdauungstrakt. Auch bei Bienen besteht eine ähnliche Symbiose.
Bereits in den 1960er Jahren erforschte die Schweizer Botanikerin Dr. Anna Maurizio die in aus Bienenwaben gewonnenem Pollen enthaltenen Mikroorganismen. Sie war eine der ersten, die die vielfältige und dynamische Zusammensetzung des Mikrobioms im Pollen genau beschrieb – Mikroorganismen, die regelmäßig von Bienen verzehrt werden. Diese Erkenntnisse zeigen, dass im Verdauungssystem der Bienen eine vergleichbare, vielfältige mikrobielle Gemeinschaft lebt. Dennoch sind viele Aspekte des Bienenmikrobioms noch nicht vollständig erforscht.
Das Mikrobiom der Bienen – der wichtige Verbündete eines gesunden Bienenvolks
Ein Forscherteam um Dozent Jaroslav Havlík von der Tschechischen Agraruniversität arbeitet derzeit gemeinsam mit dem Bienenforschungsinstitut in Dol an einem vom Landwirtschaftsministerium der Tschechischen Republik unterstützten Projekt. Die dort durchgeführten Experimente bestätigen, dass das Mikrobiom ein wesentlicher und unverzichtbarer Bestandteil des Bienenorganismus ist. Man kann es durchaus als ein weiteres Organ der Biene bezeichnen. Das Mikrobiom produziert Verdauungsenzyme, baut schwer abbaubare Stoffe zu für die Biene verwertbaren Nährstoffen um und bietet eine wichtige Barriere gegenüber schädlichen Einflüssen. Bienen mit gestörter oder unzureichend entwickelter Darmflora sind deutlich empfindlicher gegenüber Stress und Toxinen als Tiere mit einem gut funktionierenden Mikrobiom.
Biofilm – der Schutz, den Bienen brauchen
Die Mikroorganismen im Verdauungstrakt der Bienen bilden einen sogenannten Biofilm. Dieser besteht aus einem komplexen Geflecht symbiotischer Bakterien, Wasser, Nährstoffen, Stoffwechselprodukten und extrazellulären Fasern, die zu einem dichten Schutznetz verwoben sind. Dieser Biofilm ermöglicht es den Mikroorganismen, sich an den Darmwänden festzusetzen, und bildet gleichzeitig einen wichtigen physischen und chemischen Schutz vor schädlichen äußeren Einflüssen. Je stabiler und vielfältiger der Biofilm ist, desto besser ist die Biene geschützt.
Funktionieren Probiotika bei Bienen?
Vielleicht stellt sich daher die Frage, ob sich das Bienenmikrobiom durch die Gabe von Probiotika einfach stärken lässt, um die Widerstandskraft des Volkes zu erhöhen. Hier ist jedoch Vorsicht geboten. Im Handel sind zwar verschiedene Präparate erhältlich, die angeblich positive Effekte auf Bienen haben, diese enthalten aber meist Bakterienstämme, die eigentlich für Menschen bestimmt sind. Die Biene selbst besitzt ein individuelles, spezifisches Mikrobiom und benötigt daher eigene, spezielle Bakterienarten.
Dennoch geben aktuelle Forschungen von Dozent Havlíks Team Anlass zur Hoffnung. Jüngste proteomische Analysen zeigen, dass die Gabe von speziellen Bienenprobiotika zu einer deutlichen Erhöhung zentraler Eiweiße im Futtersaft (MRJPs) führt, die das Immunsystem der Bienen stärken, antioxidativ wirken und die Entwicklung der Tiere steuern. Zudem zeigten sich markante Veränderungen in der Eiweißzusammensetzung des Verdauungssystems – mit erhöhten Anteilen an Proteinen, die für Immunreaktionen, Energieproduktion, Entgiftung und Stressbewältigung zuständig sind.
Weiterhin ergaben umfassende NMR-Spektroskopie-Analysen signifikant erhöhte Gehalte gewisser organischer Säuren – wie Essigsäure, Benzoesäure und Bernsteinsäure – bei mit Probiotika gefütterten Bienen sowie eine Abnahme von Substanzen wie Citrat, Phenylalanin oder Uridin gegenüber Kontrollgruppen.
Diese Forschungsresultate werden aktuell detailliert ausgewertet, jedoch lässt sich schon jetzt sagen: Ein entsprechend entwickeltes und gepflegtes Mikrobiom ist für die gesunde Entwicklung des Bienenvolks von zentraler Bedeutung. Die Pflege eines vielfältigen und kräftigen Mikrobioms wird sich daher zu einem festen Bestandteil moderner Imkereimethoden entwickeln.
Mikrobiom der Biene – Schlüssel zu einem starken und gesunden Bienenvolk
Das Mikrobiom – also das Ensemble nützlicher Mikroorganismen – stellt einen unverzichtbaren Bestandteil des Bienenkörpers dar. Es kann als weiteres Organ bezeichnet werden, das die Gesundheit der Bienen und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten und Stress maßgeblich beeinflusst.
Wie lässt sich das Mikrobiom im Bienenvolk ganz einfach unterstützen?
Vielleicht fragen Sie sich, wie Sie das Mikrobiom Ihrer Bienen wirksam und ohne zweifelhafte, teure Probiotikapräparate fördern können. Glücklicherweise ist die Antwort einfach – entscheidend ist eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung der Bienen.
Man stelle sich den Darmtrakt der Biene wie einen kleinen Zoo vor, in dem unterschiedlichste Tierarten mit verschiedensten Bedürfnissen leben. Würde man allen Zootieren nur ein Futter anbieten, würde ein großer Teil von ihnen schnell leiden. Ebenso braucht das Mikrobiom der Bienen eine vielfältige und reichhaltige Nahrung, also abwechslungsreichen Pollen und Nektar von unterschiedlichen, in der Region natürlich vorkommenden Pflanzen.
Heimische Pflanzen – die beste Wahl für Ihre Bienenvölker
Die moderne, intensiv genutzte Agrarlandschaft – wie zum Beispiel im Frühjahr mit Rapsfeldern – bietet Bienen nur kurzzeitig üppigen Nektar. Nach der Blüte verwandeln sich diese Flächen jedoch in monotone, für Insekten ungeeignete Landstriche.
Wer seinen Bienen dauerhaft hochwertiges Futter bereitstellen möchte, muss jedoch keine exotischen Baum- und Pflanzenarten besorgen. Das Beste ist, die natürliche, heimische Vegetation zu fördern. Beobachten Sie, was in Ihrer Umgebung wächst, und geben Sie einheimischen, angepassten Pflanzen Platz. Oft genügt es, im Garten seltener zu mähen, Dünger sparsam zu verwenden und so Wildblumen wachsen zu lassen, die sonst im Konkurrenzkampf des häufig gemähten Rasens untergehen würden.
Die Standplatzwahl entscheidet
Ein weiterer wesentlicher Schritt für ein gesundes Bienenmikrobiom und starke Völker ist die richtige Verteilung der Beuten in der Landschaft. Vermeiden Sie es, zu viele Völker an einem Standplatz zu halten. Die optimale Anzahl liegt bei höchstens 30 Bienenvölkern pro Standort. Gibt es in der Nachbarschaft bereits einen anderen Imker, sollte diese Zahl weiter reduziert werden. Zu hohe Konzentrationen führen sonst zu übermäßiger Konkurrenz unter den Völkern und verdrängen andere Bestäuber-Arten.
Natürliche Vielfalt der Landschaft für die Gesundheit der Bienen und ihres Mikrobioms
Bemühen wir uns, den Bienen eine Landschaft zurückzugeben, an die sie seit Jahrhunderten angepasst sind. Indem wir unsere Umgebung vielfältiger und natürlicher gestalten, helfen wir nicht nur den Bienen, sondern auch vielen anderen Insekten. So leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung eines gesunden, vielfältigen Bienenmikrobioms, das die Grundlage für deren Vitalität und Widerstandskraft bildet.
Aus der Fachzeitschrift Imkerei: Ing. Vojtěch Purnoch, Ing. Dalibor Titěra, CSc.



































































































































































































