Umweiselung, Septemberpflege der Bienenvölker
Der September ist ein Schlüsselmonat im Leben der Bienen und auch für Imkerinnen und Imker. Wie wechselt man die Königin richtig, warum ist das wichtig und worauf sollte man im Herbst besonders achten?
Wie man eine Königin richtig umweiselt und einem Volk zusetzt
Die richtige Umweiselung zählt zu den grundlegenden imkerlichen Eingriffen, die die Leistung und die Gesundheit des gesamten Bienenvolkes maßgeblich beeinflussen. Eine neue Königin kann der Imker durch den Kauf bei einem bewährten Züchter/Imker oder aus eigener Zucht erhalten. Die Umweiselung erfolgt in mehreren Schritten:
- Entfernen der alten Königin – zuerst muss die bisherige Königin im Volk gefunden und aus dem Stock genommen werden.
- Annahme der neuen Königin durch das Volk – es gibt mehrere Möglichkeiten, eine Königin zuzusetzen und ihre Annahme zu sichern:
- Zusetzung in einem speziellen Zusetzkäfig, dessen Ausgang mit Futterteig (Zucker-Honig-Teig) verschlossen ist. Die Bienen arbeiten den Teig nach und nach frei, gewöhnen sich in dieser Zeit an die neue Königin und nehmen sie an.
- Bei der Bildung eines Ablegers kann der Imker einen Ableger mit passender Königin über das ursprüngliche Volk setzen und beide Einheiten nur durch eine Lage Zeitungspapier trennen. Die Völker vereinigen sich schrittweise durch das Papier hindurch, und die junge Königin wird angenommen.
- Der gewünschte Effekt lässt sich auch unterstützen, indem man die Königin mit Zucker- oder Honigwasser besprüht und frei auf die Rähmchen setzt. Die Bienen lecken sie ab und beginnen, ihre spezifischen Pheromone zu übernehmen.
Die Annahme einer neuen Königin ist immer mit Risiko verbunden; daher sollte der Imker vorsichtig vorgehen und idealerweise eine günstige Jahreszeit wählen.
Stille Umweiselung – der natürliche Weg
Bienenvölker sind häufig in der Lage, eine schwache oder alte Königin selbstständig zu ersetzen. Dieser Vorgang wird als stille Umweiselung bezeichnet und gilt unter Imkerinnen und Imkern als die natürlichste und zugleich sehr erfolgreiche Form der Verjüngung. Im Stock entstehen nur wenige Weiselzellen, oft mittig auf der Wabe. Auch nach der Begattung der neuen Königin kann die alte Königin noch eine Zeit lang im Volk bleiben, letztlich wird sie jedoch nicht mehr gefüttert und geht ein.
Warum werden Königinnen ersetzt?
Die Umweiselung ist eine umfassende Erneuerung eines Individuums, das die züchterischen Anforderungen nicht mehr erfüllt – etwa wegen nachlassender Leistung, ungünstiger Eigenschaften oder gesundheitlicher Probleme. Königinnen mit unerwünschten Merkmalen werden meist innerhalb der ersten zwei bis drei Lebensjahre ersetzt. Besonders wertvolle Königinnen behält der Imker auch länger, vor allem für die weitere Zuchtarbeit. Die natürliche stille Umweiselung ist in vielen Fällen am effektivsten – die Bienen erkennen selbst am besten, wann eine neue Königin notwendig wird.
Bienengift – Wirkung und Nutzung des Bienenstichs
Obwohl die Aktivität der Bienen im September nachlässt, sind Stiche nicht ungewöhnlich. Beobachtungen zur Wirkung von Bienenstichen brachten überraschende Erkenntnisse: Imkerinnen und Imker haben oft weniger Gelenkbeschwerden und rheumatische Probleme. Deshalb wird Bienengift nicht nur in der Pharmazie genutzt, sondern auch beispielsweise in Salben zur Unterstützung der Gelenke und zur Linderung chronischer Schmerzen.
Die regelmäßige Anwendung von Salben mit Bienengift verbessert die Durchblutung der Haut und kann die Gelenkgesundheit unterstützen. Es genügt eine sehr kleine Menge, und die Wirkung setzt rasch ein.
Herbstliche Ruhe im Stock – und auch für den Imker
Der September bedeutet in der Imkerei den Abschluss der wichtigsten Saisonarbeiten und den Übergang in eine ruhigere Phase. Imkerinnen und Imker widmen sich der Dokumentation, der Planung und den letzten Kontrollen an den Ständen. Aufmerksamkeit verdient auch die Gefahr von Waldtracht bzw. Honigtauhonig mit hohem Melizitose-Anteil (Melizitosehonig) – dieser Honig kann den Bienen im Winter schaden und Ruhr verursachen. Daher sind rechtzeitige Vorbeugung und die laufende Kontrolle des Blattlausbefalls an Bäumen in der Umgebung des Bienenstandes wichtig.
Eine gründliche Kontrolle der Fluglöcher dient nicht nur der Abwehr von Schädlingen (Mäuse, Wespen), sondern ist auch Teil der Vorbereitung auf die Winterzeit. In dieser Zeit wird außerdem das Wachsschmelzen/Abkochen geplant oder die Wartung der imkerlichen Ausrüstung durchgeführt.
September im Bienenvolk – Hauptaufgaben des Imkers
Veränderungen im Leben und Verhalten der Bienen
Altweibersommer, kühlere Morgen und kürzere Tage signalisieren den Bienen eine Umstellung. Die Flugbienen sammeln die letzten Vorräte von spät blühenden Pflanzen, und die Königin legt die letzte Generation der sogenannten Winterbienen an – kräftige Arbeiterinnen, die bis ins Frühjahr überleben.
Was passiert im September im Inneren des Stocks?
Die Bienen bilden die Wintertraube, die Brutaktivität nimmt ab und die Bewegung wird geringer. Wichtig sind die Kontrolle des Stockzustands und der Volksstärke – denn gerade die Winterbienen sind die Grundlage für eine problemlose Überwinterung.
Die wichtigsten Septemberarbeiten
- Kontrolle und Auffüllen der Vorräte: Die Honigvorräte pro Volk sollten mindestens 15–20 kg betragen; andernfalls ist mit Zuckersirup aufzufüttern (Verhältnis 3:2 Zucker:Wasser).
- Behandlung gegen Varroose: Die notwendige Behandlung gegen die Varroamilbe (Varroa destructor) mit zugelassenen Präparaten sorgt für gesunde Bienen bis ins Frühjahr.
- Einengen der Fluglöcher und Schutz vor Schädlingen: Das Verkleinern der Flugöffnungen schützt vor Nagern und unerwünschten Insekten.
- Kontrolle der Königinnen und der Volksstärke: Ein starkes, gesundes und geschlossenes Brutbild ist wichtig. Schwache Völker sollten mit anderen vereinigt werden.
Wissenswertes über Septemberbienen
- Winterbienen, die im September schlüpfen, überleben bis zum Frühjahr – im Gegensatz zu Sommerbienen, die nur etwa 6 Wochen leben.
- Die Reduktion der Brut spart Vorräte und ist für eine erfolgreiche Überwinterung entscheidend.
- Honig aus dem September ist aufgrund spät blühender Pflanzen dunkler und aromatischer.
Was sollte dem Imker vor dem Winter nicht entgehen?
- Honigvorräte sorgfältig prüfen und ergänzen (15–20 kg pro Volk)
- Eine wirksame Varroabehandlung durchführen
- Die Fluglöcher der Beuten gegen Schädlinge sichern
- Die Leistungsfähigkeit der Königinnen prüfen und bei Bedarf schwache Völker vereinigen
- Die Völker – und sich selbst – auf die Ruhezeit vorbereiten
Starke Völker im Frühjahr beginnen schon im September
Sorgfältige Arbeit in den Herbstmonaten ist die wichtigste Voraussetzung für ein widerstandsfähiges und leistungsfähiges Bienenvolk in der nächsten Saison. Gerade der September entscheidet darüber, ob die Bienenfamilie den Winter gut übersteht – und wie reich die kommende Honigernte ausfällt.



































































































































































































