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Die Herkunft der Honigbiene: Neue Perspektiven aus der Wissenschaft

Die Herkunft der Honigbiene (Apis mellifera) beschäftigt Forscher weltweit seit langer Zeit. DNA-Analysen gelten als Schlüsselwerkzeug zur Lösung dieser Frage, doch abschließende Antworten stehen weiterhin aus. Während eine umfassende genetische Studie Westasien als Ursprung nennt, verorten andere aktuelle Forschungsarbeiten den Beginn der Honigbiene im Norden Europas.

Bei der Bestimmung des Ursprungs dieser bedeutenden Bestäuberin darf nicht allein auf Regionen geachtet werden, in denen derzeit die Imkerei am weitesten verbreitet ist. Die Honigbiene zeigt eine beeindruckende Anpassungsfähigkeit an verschiedenste Lebensräume – von tropischen Regenwäldern über trockene Gebiete bis hin zu gemäßigten Klimazonen mit kalten Wintern. Forscher ziehen wahlweise Afrika, Asien oder Europa als mögliche Ursprungsgebiete in Betracht. Klarheit verschafft erst die Analyse genetischer Daten von Bienenvölkern auf der ganzen Welt.

Für Aufsehen sorgte eine im Fachjournal Science Advances veröffentlichte Studie unter der Leitung von Amro Zayed der York University in Toronto. Das Team kam zum Schluss, dass die Honigbiene ursprünglich aus Westasien stammt und sich von dort aus nach Afrika und Europa ausgebreitet hat. Dabei bildeten sich sieben klar abgegrenzte, geografisch und genetisch unterschiedliche Evolutionslinien.

Zayed und sein Forschungsteam sequenzierten die Genome von 251 Bienen aus 18 Unterarten ihres natürlichen Verbreitungsgebiets. Auf dieser genetischen Grundlage konnten die Wege der Biene durch die sogenannte Alte Welt rekonstruiert werden. Die Ergebnisse legen einen westasiatischen Ursprung nahe. Zudem entdeckte das Team mehrere "Hotspots" im Bienen-Genom, die es den Honigbienen erleichtern, sich an neue Gebiete und klimatische Bedingungen anzupassen. Durch solche Anpassungen entstanden etwa 27 verschiedene Unterarten dieser Bienen.

Warum ist die Klärung des Ursprungs von Bienen wichtig? Amro Zayed erklärt: „Die Honigbiene zählt zu den bedeutsamsten Bestäubern unserer Erde. Ihr Ursprung liefert wertvolle Einblicke in die Evolution der Bienen, deren genetische Vielfalt und ihre erstaunliche Fähigkeit, sich überall auf der Welt an unterschiedlichste Umgebungen anzupassen.“

Obwohl Zayed und Kollegen hofften, mit ihrer Studie die Herkunftsfrage endgültig zu klären, stellten nachfolgende Forschungen diese These infrage. Eine neue Analyse, durchgeführt von Steven Carr von der Memorial University of Newfoundland und veröffentlicht im Magazin Scientific Reports, sieht den Ursprung der Honigbiene vielmehr im nördlichen Europa.

Neue Analysen beleuchten die Herkunft der Honigbiene

Steven Carr analysierte kürzlich die DNA von 78 Bienen, die 22 verschiedene Unterarten der Honigbiene repräsentieren. Vergleichende Genomuntersuchungen zeigten, welche Unterarten genetisch am engsten verwandt sind. Anhand dieser Daten ließ sich die Verbreitungsdynamik der Bienen im Verlauf vieler Jahrtausende nachzeichnen.

Seinen Ergebnissen zufolge fanden die ersten Honigbienen in Nordeuropa ihren Ursprung, und zwar vor rund 780.000 Jahren. Zu den heutigen Vertretern zählen unter anderem Bienen aus Skandinavien, Großbritannien sowie dem nördlichen Russland. Etwa 720.000 Jahre später verbreiteten sie sich in den Südosten Europas sowie nach Kleinasien und in den Kaukasus. Von dort aus gelangten sie vor rund 540.000 Jahren über das östliche Mittelmeer in die Levante, nach Nubien, in die arabische Halbinsel und schließlich nach Afrika. Die Expansion in das südlich der Sahara gelegene Afrika begann vor etwa 192.000 Jahren. Aus Nordafrika traten Bienen über die Iberische Halbinsel die Reise zu den westlichen Mittelmeerinseln an und kehrten anschließend zurück ans nordafrikanische Mittelmeer – ein evolutionärer Rundweg.

Laut Steven Carr, dem kanadischen Genetiker, bietet diese Analyse einen frischen Blick auf die Herkunftsgeschichte der Honigbiene, die lange als afrikanisch oder asiatisch galt. Da Carr deutlich mehr Unterarten als frühere Studien einbezog, erhält man jetzt ein exakteres Bild über die Abstammungsverhältnisse. Allerdings sind nicht alle Wissenschaftler mit seinen Schlussfolgerungen einverstanden. Dennoch liefert Carr einen wertvollen Beitrag zur laufenden Debatte.

Kathleen Dogantzis, Co-Autorin der westasiatischen Ursprungshypothese, bestätigt: „Untersuchungen, die eine größere Unterartenvielfalt einschließen, liefern tiefere Erkenntnisse, weil sie Beziehungen sichtbar machen, die vorher verborgen blieben.“ Sie bevorzugt weiterhin einen Ursprung in Westasien, betrachtet Carrs Ergebnisse jedoch als bedeutenden alternativen Ansatz.

Somit bleibt der Ursprung der Honigbiene weiterhin offen. Für eine eindeutige Zuordnung wird es nötig sein, noch umfangreichere genetische Proben aus unterschiedlichen Regionen der Erde zu erheben. Darauf weist auch Kathleen Dogantzis hin und verweist beispielsweise auf die erst kürzlich entdeckte evolutive Linie der Honigbiene auf Madagaskar, die zeigt, dass noch viele Unterarten identifiziert werden müssen.

aus dem Magazin „Imkerei“, Jaroslav Petr