Farbe ist nicht gleich Farbe – Färberpflanzen
Die Anwendung färbender Pflanzen hat eine lange Tradition. Unsere Vorfahren verstanden sich hervorragend darauf, Textilien mithilfe verschiedener Färberpflanzen zu verschönern. Heute dominieren meist synthetische Farbstoffe, doch die Natur bietet nach wie vor unzählige Möglichkeiten, die man erkunden kann. In Pflanzen stecken wertvolle Farbstoffe, und durch Zugabe weiterer Substanzen erhält man aus einer Pflanze unterschiedliche Farbvarianten.
Wir konzentrieren uns hier nicht auf detaillierte Anleitungen, sondern stellen Ihnen lieber einige interessante Pflanzen vor, die sowohl für das Färben als auch für Imker von großem Nutzen sein könnten. Unter diesen Gewächsen befinden sich einige, deren Namen sogar auf ihr Farbpotential hinweisen. Ein gutes Beispiel dafür ist die einjährige Färberdistel (Carthamus tinctorius), die auch "Saflor" genannt wird. Diese Pflanze trifft man inzwischen häufig auf landwirtschaftlich genutzten Flächen an, wo sie als Ölpflanze angebaut wird. Nach der Ernte werden die Pflanzenreste oft zu energetischen Zwecken genutzt oder dienen der Tierernährung. Gerade in der Hochsommerzeit stellt die Färberdistel eine hervorragende Nektarquelle für die Bienen dar. Imker vergleichen ihren Honig gerne mit Sonnenblumenhonig, wobei man mit einer Honigausbeute von bis zu 200 kg pro Hektar rechnen kann. Auch der orangefarbene Pollen ist für Bienen bedeutsam – seine Menge beläuft sich auf etwa 50 kg pro Hektar. Wenn in Ihrer Nähe keine Landwirte diese Pflanze anbauen, können Sie die Färberdistel problemlos selbst säen. Diese attraktive Pflanze, die von März bis April ausgesät wird, benötigt kaum Pflege, gedeiht gut auf trockenen Standorten und blüht bis zu vier Wochen lang hervorragend. Auch wenn Sie höchstwahrscheinlich kein Öl daraus pressen werden – das übrigens in der kalten Küche besonders hochwertig ist –, eignen sich ihre Samen zumindest optimal für Ihr Winter-Vogelfutterhaus.
Auch der Färberkamille (Cota tinctoria), bis vor kurzem als Anthemis tinctoria bekannt, weist bereits der Name eindeutig auf ihren Verwendungszweck hin. Diese pflegeleichte, krautige Staude wächst gern an sonnigen und trockenen Stellen, lässt sich aber auch gut in Naturgärten kultivieren. Sie besitzt wechselständige, stark eingeschnittene Blätter sowie goldgelbe, margeritenartige Blütenstände, die zwischen Juli und August erscheinen. Die Pflanze erreicht eine Wuchshöhe von etwa 30–50 cm. Zwar ist sie recht kurzlebig, lässt sich aber sehr leicht über Aussaat oder Teilung vermehren. Es gibt mittlerweile zahlreiche Sorten, die sich in Höhe und Blütenfarbe unterscheiden. Für Bienen sind Färberkamillen besonders anziehend, da sie ihnen reichlich orangenen Pollen und etwas Nektar bieten. Ihre lange Blütezeit von bis zu zwei Monaten macht sie zu einer wertvollen Bereicherung des Gartenlebens. Traditionell verwendete man außerdem ihre Blätter zum Vertreiben von Flöhen und als Hausmittel gegen Darmparasiten.
Eine weitere faszinierende Pflanze ist die Indigolupine (Baptisia australis). Trotz ihres lateinischen Namens (australis = südlich), stammt Baptisia nicht aus Australien, sondern aus den südlichen Regionen der USA. Seit der Jahrtausendwende ist diese schöne Staude bei uns immer häufiger in Gärten anzutreffen und wurde im Jahr 2019 sogar zur „Staude des Jahres“ gekürt. Ihre ursprünglich indigoblauen Blätter dienten den amerikanischen Ureinwohnern zur Textilfärbung und ihre Wurzel als heilende und desinfizierende Medizin. Im Garten wird Baptisie gern als Solitärstaude gepflanzt, wächst etwa 1 m hoch und breit. Ihre dekorative blaue Blüte erfreut das Auge ab Mitte Mai und bildet im Sommer attraktive dunkle Samenhülsen aus. Baptisie gedeiht am besten an sonnigen, trockenen und gut durchlässigen Standorten. Als überzeugte Vertreterin der Familie der Hülsenfrüchtler ist sie eine geschätzte Bienenpflanze, von der die Völker gerne Nektar und Pollen ernten.
Auch das Johanniskraut (Hypericum perforatum), vor allem als Heilpflanze bekannt, zählt zu den Färberpflanzen. Man findet es häufig auf trockenen Wiesen, Wällen oder Magerstandorten und es passt hervorragend zu naturbelassenen Gärten oder Wildblumenarealen. Für Bienen bietet das Johanniskraut im Hochsommer bis in den Spätsommer hinein wertvollen, intensiv gelb-orangen Pollen und macht es somit zu einer bienenfreundlichen Pflanze. Vielleicht wird dieses aufschlussreiche Thema Sie animieren, diese Pflanzen zur Färberei auszuprobieren – zum Beispiel gemeinsam mit Kindern im Imkerverein. Oder aber Sie überlegen sich einfach nur, ob einige dieser Pflanzen idealerweise zur Bereicherung Ihres bienenfreundlichen Gartens verwendet werden können. Selbstverständlich gibt es noch viele weitere Färberpflanzen, wir wollten Ihnen vor allem inspirierende Möglichkeiten aufzeigen, die für Imker zusätzlich von hervorragendem Interesse sind.
Aus der Imkerei-Zeitschrift von Ing. Miroslava Novotná



































































































































































































