Nosemose – eine häufige Krankheit bei Bienenvölkern
Nosemose (auch Nosematose genannt) betrifft erwachsene Bienen einschließlich der Bienenkönigin und stellt eine ernstzunehmende Infektionskrankheit dar. Die Auslöser dieser Erkrankung sind Pilz-Mikroorganismen aus der Gattung Nosema. Während sie früher als Protozoen galten, werden sie seit 2006, basierend auf genetischen Untersuchungen, zu den intrazellulären parasitischen Pilzen (Fungi) gezählt, die den Verdauungstrakt der Bienen befallen
Erreger der Nosemose bei Honigbienen
Bei der Honigbiene unterscheiden wir drei Arten von Nosema-Pilzen:
- Nosema apis – klassischer Erreger der Europäischen Honigbiene (früher in Deutschland und Mitteleuropa vorherrschend)
- Nosema ceranae – ostasiatische Variante, inzwischen weltweit und in Europa am meisten verbreitet
- Nosema neumanni – der sogenannte Neumann'sche Nosema-Pilz (in Deutschland bisher nicht nachgewiesen)
Während Nosema apis überwiegend Durchfallerkrankungen mit verhältnismäßig langsamem Verlauf hervorrief, hat sich in Mitteleuropa inzwischen Nosema ceranae etabliert. Dieser Pilz durchläuft einen schnelleren Lebenszyklus (ca. 8 Tage) und führt rascher zum Tod betroffener Bienen. Nosema neumanni wurde in Deutschland bislang nicht nachgewiesen.
Verbreitungswege und Infektionsquellen
Die Sporen der Nosema-Pilze gelangen am häufigsten durch infizierte Nahrung oder Wasser ins Bienenvolk. Auch infizierte Bienen aus anderen Völkern, Imker selbst oder verschiedene Schädlinge können als Überträger dienen. Insbesondere wiederholte Nutzung von kontaminiertem Wabenwerk oder Gerätschaften kann die Krankheit unbemerkt auf weitere Völker verbreiten. Innerhalb des Stockes erfolgt die Weiterverbreitung oft auch durch die Aufnahme infizierter Kotbestandteile (Koprophagie).
Symptome und Folgen einer Infektion
Der Nosema-Pilz befällt das Epithelgewebe des Verdauungstraktes. Die erkrankten Bienen verlieren die Fähigkeit zur optimalen Nahrungsverwertung, was zu gestörtem Eiweiß- und Fettstoffwechsel sowie einer verminderten Produktion von Futtersaft führt. Die Pflege von Königin und Brut ist eingeschränkt. Die Bienen altern schneller, zeigen einen erweiterten Hinterleib, Durchfall (Ruhr) und versterben frühzeitig. Typische Anzeichen sind beschmutzte Flugbretter, Eingänge und Stockwände sowie geschwächte Frühjahrsentwicklung.
Im Winterhalbjahr, wenn ein Reinigungsflug nicht möglich ist, können Völker oft zusammenbrechen und sogar vollständig absterben.
Diagnose der Krankheit
Zur sicheren Diagnose der Nosemose empfiehlt es sich, rund 30 tote Bienen aus dem Volk zur Laboruntersuchung einzusenden. Erfahrene Imker mit Mikroskop und nötigen Kenntnissen können den Erreger auch selbst nachweisen. Die Sporen der beiden wichtigsten Arten unterscheiden sich in ihrer Form und Größe:
- Nosema apis: Sporen sind oval bis fassförmig, Länge 4,9–6,9 μm, Breite 2,7–3,9 μm.
- Nosema ceranae: Sporen zylindrisch, Länge 3,9–5,4 μm, Breite 2,0–2,9 μm – also etwas kleiner als die von Nosema apis.
Vorbeugung und guter Umgang der Imker
Auch wenn ein vollständiger Schutz schwierig ist, kann der Imker durch folgende Maßnahmen das Risiko einer Nosemose-Infektion deutlich senken:
- Sorge für optimale Temperierung des Bienenstocks im Sommer wie im Winter.
- Regelmäßige Erneuerung und Desinfektion von Waben und Zargen.
- Schwache oder kranke Bienenvölker nicht miteinander vereinen.
- Rahmen und Altwaben aus abgestorbenen Völkern nicht wiederverwenden.
- Zeigt die Königin Krankheitssymptome, sollte sie schnellstmöglich ausgetauscht werden.
Erfahrungen aus der Praxis von Imker Pavel Fér
In einem eigenen Experiment habe ich Proben meiner Bienenstandorte im Labor auf Nosemose, Varroamilben und Honigertrag untersuchen lassen. Es zeigte sich, dass alle positiven Proben auf den Erreger Nosema ceranae zurückzuführen waren. Die schwersten Infektionen traten an einem feuchten, kühlen Standort mit wenig direkter Sonneneinstrahlung in der Nähe eines Bachlaufes auf. Aus diesem Grund habe ich den betreffenden Standort aufgegeben.
Die Untersuchung brachte keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Honigertrag und dem Auftreten von Nosemose im Winter oder einem Varoabefall. Es wurde jedoch deutlich, dass die Gesundheit des Bienenvolks nicht nur von der Behandlung und dem Engagement des Imkers abhängt, sondern ebenso von der Auswahl eines geeigneten Standplatzes für die Bienen.
Aus dem Fachmagazin "Imkerei" - Pavel Fér Bienenfachlehrer



































































































































































































