Wie entwickelt man starke Bienenvölker? – Zootechnische Empfehlungen
Nahezu jeder Imker wünscht sich gesunde, zahlreiche und kräftige Bienenvölker, die das vorhandene Trachtangebot effizient nutzen und Freude am erfolgreichen Imkern bereiten. Der Weg dahin ist jedoch alles andere als leicht oder geradlinig. Er verlangt Geduld, Konsequenz und ein hohes Maß an Achtung gegenüber den Bienen und der Natur. Verzichten wir bewusst auf das zwanghafte Suchen nach „alternativen“ Methoden, werden wir mit gesunden und starken Bienenvölkern belohnt, die uns sowohl Honig als auch die Freude am Imkern schenken.
Zu diesem Thema sind schon unzählige Seiten geschrieben worden, doch lässt sich die Essenz einfach zusammenfassen: „Wir müssen den Bienen das Fliegen nicht beibringen.“ Bevor wir mit irgendwelchen Maßnahmen beginnen, sollten wir uns einige Schlüsselfragen stellen:
Was ist eigentlich ein starkes Bienenvolk?
Wollen wir tatsächlich starke Bienenvölker halten?
Können wir uns um starke Völker ausreichend kümmern?
Was versteht man unter einem „starken Bienenvolk“?
Ein starkes Bienenvolk ist in erster Linie eine gesunde, überdurchschnittlich große Bienenpopulation, die jede angebotene Tracht effektiv zu nutzen vermag. Solche Völker gedeihen auch unter schwierigeren klimatischen Bedingungen – wenn zum Beispiel das Wetter den Nektarflug erschwert, es regnet oder die Temperaturen extreme Schwankungen aufweisen. Ein starkes Volk hat stets genügend Flugbienen, um auch herausfordernde Perioden zu überstehen und Verluste rasch auszugleichen.
Wollen wir wirklich starke Bienenvölker führen?
Die Frage mag ungewöhnlich erscheinen. Doch wenn wir diese mit „Ja“ beantworten, müssen wir bereit sein, viele notwendige Maßnahmen zu ergreifen, um die passenden Bedingungen zu gewährleisten. Ein starkes Volk benötigt einen ausreichend geräumigen und flexiblen Beutentyp. Im Falle von Magazinbeuten ist dies zwar kein Problem, erfordert aber organisatorische Sorgfalt und Aufmerksamkeit. Außerdem führt die erhöhte Leistungsfähigkeit starker Völker zu mehr Honig, was größere und gut ausgestattete Schleuderräume – idealerweise ausgestattet mit leistungsfähigen, modernen und hygienischen Honigschleudern – erfordert. Es ist auch wichtig zu bedenken, dass starke Völker einen höheren Varroabefallsdruck verursachen können: Eine größere Menge verdeckelter Brut und intensiv arbeitende Flugbienen fördern das Wachstum der Milbenpopulation. Auch die Genetik und die Qualität der Königinnen müssen regelmäßig überprüft und durch Bildung von Ablegern und Auswahl von Königinnen mit gewünschten Eigenschaften optimiert werden. Ziel sollte es nicht sein, die Natur zu überlisten, sondern die besten Eigenschaften zu fördern, die sie selbst bietet. Nicht zuletzt ist es wichtig, die Bienenzahl und die aktuellen steuerlichen Rahmenbedingungen zu überblicken und buchhalterisch zu meistern.
Können wir die Pflege starker Bienenvölker bewältigen?
Die Haltung starker Bienenvölker stellt höhere Ansprüche an den Imker. Wie in der Tierzucht kann die Freude am Erfolg schnell in Herausforderungen umschlagen, falls der Betreuung nicht rechtzeitig die nötige Aufmerksamkeit geschenkt wird. Starke Völker sind schwarmfreudiger – und kein Volk ist per Definition von Natur aus „schwarmfaul“. Es gibt zahlreiche Schwarmverhütungsmaßnahmen (wie ausreichender Platz, regelmäßiger Königinnenwechsel, Bildung von Ablegern, rechtzeitiges Einbringen von Drohnenrahmen, beschattete Standorte oder Wabenbau), dennoch kann ein Schwarm nicht immer verhindert werden – vor allem wenn etwas übersehen oder vernachlässigt wurde. Daher ist es wichtig, regelmäßig zu kontrollieren, Fürsorge zu zeigen und rechtzeitig – aber ohne Hektik und ohne Verzögerungen – einzugreifen. Das verlangt Fingerspitzengefühl, Erfahrung und die Fähigkeit, Maßnahmen richtig zu timen. Hilfreich dabei sind systematische schriftliche Aufzeichnungen, die gerade bei größeren Imkereien unabdingbar sind.
Wie pflegt man starke Bienenvölker das ganze Jahr über?
Die Haltung starker und gesunder Bienenvölker beginnt nicht erst im Frühling, wie oft angenommen wird, sondern schon rund um die Zeit der Sommersonnenwende. Zu dieser Zeit ändert sich der Bienenorganismus auf natürliche Weise – das Trachtangebot in der Natur nimmt ab, die Bienen werden wachsamer, bauen weniger und tendieren eher zu Räuberei. Ein erfahrener Imker lässt seine Völker daher in dieser Phase nicht unbeaufsichtigt, er weiß, wie wesentlich gerade das Spätsommermanagement für die kommende Saison ist.
Vorbereitung auf das Überwintern – Spätsommer
Direkt nach der letzten Tracht sollte der Honig zügig und schonend geschleudert werden, um die Bienenvölker nicht unnötig zu stressen. Noch am selben Abend muss mit der ersten Fütterung begonnen werden, um zu verhindern, dass das Volk in den Notmodus schaltet und die Brutpflege einstellt. Eine ausreichende Versorgung mit hochwertiger Nahrung ist die Grundlage für gesunde und starke Winterbienen.
Den Überwinterungsraum der Beute reduziere ich kaum und lasse lieber mehr Platz, da die Bienen selbst am besten die Lagerung ihrer Wintervorräte und die Positionierung des Winterclusters bestimmen. Ich überwintere auf drei Zargen mit überwiegend hellbraunen Waben in den oberen zwei Zargen. Den unteren Brutraum mit zehn leeren Waben halten die Bienen bis zum Frühjahr selbstständig frei von Wachsmotten.
Bewährte Methoden zur Varroabekämpfung nutzen
Der Erfolg der Bekämpfung von Varroa destructor beruht auf Regelmäßigkeit und richtigem Timing der Maßnahmen. Jährlich wechselnde Experimente führen meist nur zu Zufallsergebnissen. Es ist besser, eine bewährte Kombination aus Methoden und Präparaten einzusetzen und den natürlichen Milbenfall zu beobachten, um wertvolle Rückmeldungen über den Zustand der Völker zu erhalten.
Der Imker sorgt für einen reibungslosen Winterverlauf
Bienen heizen im Winter nicht die ganze Beute, sondern erzeugen Wärme nur im Bereich des Winterclusters. Kälte stellt kein großes Problem dar, aber Zugluft und übermäßige Feuchtigkeit sind kritisch. Der Imker ist verpflichtet, diese Faktoren zu minimieren und für ausreichend Frischluftzufuhr sowie einen wirksamen Schutz des Fluglochs gegen Eindringlinge zu sorgen.
Frühjahrsentwicklung: Weniger Eingriffe, mehr Beobachtung
Der Erfolg starker Völker hängt auch vom guten Frühlingsmanagement ab. Zu Beginn der Vegetation ist es ratsam, die Völker nicht unnötig mit ausgedehnten Kontrollen zu stören und alle Eingriffe effizient und mit Fingerspitzengefühl durchzuführen. Wenn das Volk schon im Spätsommer und Herbst (starke Population, junge Königin, ausreichend Futtervorräte) gut vorbereitet wurde, sind größere Eingriffe kaum notwendig. Das Verhalten der Bienen am Flugloch liefert oft schon alle nötigen Informationen.
Das richtige Timing für die Erweiterung der Beute
Die erste Erweiterung der Beute im Frühjahr ist ein sensibler Vorgang, der vom aktuellen Naturstand und der Volksstärke abhängt. Natur und Bienen geben dem Imker die besten Indikatoren. Ein starkes Volk kann während der Saison problemlos komplette Zargen mit Mittelwänden, einschließlich Bau- und Drohnenrahmen, ausbauen – der Wabenbau ist nicht nur möglich, sondern ausdrücklich erwünscht. Mit regelmäßigem Wabentausch fördern wir die Bienengesundheit maßgeblich.
Die Bedeutung einer guten Königin und der Standortwahl
Eine qualitätsvolle, junge, genetisch wertvolle und gezeichnete Königin ist das Fundament eines gesunden und starken Volkes. Die Königin beeinflusst nicht nur das Volk selbst, sondern – durch gute Drohnen – das gesamte Umfeld der Imkerei. Eine lückenlose Dokumentation der Königinnen erleichtert das gesamte Management.
Ebenso wichtig ist eine sorgfältige Auswahl und Prüfung des Standortes. Es empfiehlt sich, den Standort im Jahresverlauf zu beobachten und dessen Eigenschaften zu verstehen, bevor Bienen aufgestellt werden. So lassen sich später Probleme mit Tracht- oder Wassermangel vermeiden.
Lernen aus Erfahrungen
Erfolgreiche Imker, die starke und gesunde Völker führen, bilden sich fortlaufend weiter, führen sorgfältig Aufzeichnungen und lernen sowohl aus eigenen Fehlern als auch von anderen Imkern. Fachliteratur, Kurse oder Vorträge mögen mehr Zeit erfordern als das schnelle Nachschlagen im Internet, führen jedoch zu tieferem Verständnis und nachhaltigem Erfolg.
Warum lohnt sich die Haltung starker Bienenvölker?
Die Haltung starker Völker ist nicht kompliziert. Sie bringt nicht nur ökonomische Vorteile – so kann ein vormals teures Hobby zu einer stabilen Einnahmequelle für die Familie werden –, sondern führt vor allem zu einer intensiven Verbundenheit mit der Natur. Dazu kommt das spirituelle Wohlgefühl, das ein harmonischer Bienenstand schenkt und den Imker mit neuer Energie und Optimismus erfüllt. Wünschen wir uns also, dass wir alle genau das erleben dürfen.
aus der Imkerei-Zeitschrift „Bringen wir den Bienen nicht das Fliegen bei, sondern lernen wir lieber von ihnen.“ František TexlVranov nad Dyjí



































































































































































































